Die FED hat Fakten geschaffen: bis zu 850 Mrd. USD sollen als Liquidität in die Märkte gepumpt werden, um die Wirtschaft zu beleben. So die offizielle Lesart. Aber was bedeutet QE in der gewählten Form wirklich?
Guter Rat ist teuer in diesen Tagen. Mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, dass wir auf dem "Weg zur Abscheu", wie wir es im Jahresausblick 2010 titelten, mal wieder ein Stück voran gekommen sind. Kann es der FED überhaupt gelingen, durch QE - also den Ankauf von Staatsanleihen gegen Barliquidität - die Wirtschaft zu beleben, oder sind die wahren Absichten ganz andere?
Fakt ist jedenfalls, dass es der US-Wirtschaft wohl nicht an billigen Krediten mangelt. Das Zinsniveau weiter nach unten zu manipulieren, wird kaum die Realwirtschaft ankurbeln, wenn heute schon die Unternehmen mehr als überliquide Bílanzen haben und einfach nicht investieren wollen, da sie zurecht sehen, dass die Welt kaum mit Produkten und Dienstleistungen unterversorgt ist. Auch der US-Konsument hat sein Verschuldungsproblem erkannt und ist im Sparmodus. Der Wirkungszusammenhang von Wirtschaft (exemplarisch durch den Aktienmarkt repräsentiert) zu Konsumentenvertrauen hat sich deshalb auch erwartungsgemäß aufgelöst.
S&P 500 (blau) und diverse US-Konsumentenstimmungsindizes
Wie töricht müssen Notenbanker sein, um dies nicht zu erkennen? Soviel Verstand muss man selbst einem Bernanke zugestehen, dass er zwar vorgibt durch QE die Wirtschaft zu beleben, aber im Grunde genommen weiß, das dies direkt nicht so geschehen wird. Die wahren Absichten müssen andere sein.
Bliebe als Variante 1 die Absicht, eine Asset-Preis-Inflation zu erzeugen, also durch die Liquidität die Nachfrage nach Anlagen - vor allem Aktien - zu stärken. Die Logik: steigende Aktien - höheres Wohlstandsniveau - bessere Stimmung. Aber auch hier zeigt die oben stehende Grafik klar, dass dieser Mechanismus derzeit gebrochen ist. Es ist sehr schwer, die Leute überhaupt in eine Investition am Aktienmarkt hineinzubewegen.
Variante 2, echte Inflation zu erzeugen, erscheint derzeit auf direktem Wege nicht so sehr die Motivation zu sein. Denn "Helikopter-Ben", wie der FED-Chef auch genannt wird, wirft sein Geld gezielt nur über Manhattan ab (er setzt also auf die Funktionsfähigkeit des Finanzsystems), statt direkt das Geld in die Portmonees der Menschen zu bringen. Nur letzteres hätte eine unmittelbare Inflationswirkung.
Nein, er setzt offenbar darauf, dass Wall Street noch funktioniert. Variante 3. Was passiert, wenn die Banken ihre Staatsschulden los werden? In Zeiten, wo Basel III vor der Tür steht, wäre dies eigentlich gleichbedeutend mit einer Verringerung der Kredite, da ja die Reserven in Staatsanleihen gehalten werden sollen - es sei denn, die USA haben gar nicht vor, sich an Basel III zu beteiligen. Die Banken müssten eigentlich die Anleihen wieder zurückkaufen. Auch dies kann nicht das Ziel sein. Nein, ich glaube Bernanke vertraut darauf, dass die Liquidität spekulativ investiert wird. In Rohstoffen und außerhalb des US-Dollar-Raumes. Das Ziel der Geldpolitik scheint eine explizite Schwächung des US-Dollars zu sein.
Warum? Vielleicht um über steigende Rohstoffe die Chinesen zur Aufwertung zu zwingen. Denn bislang ist der Yuan an den USD mehr oder weniger noch gekoppelt. Und ein schwacher Dollar bei steigenden Inputkosten aus dem Rohstoffbereich erzeugen einen Inflationsdruck in China. Und wie wir bereits 2008 gesehen haben, sind vor allem steigende Nahrungsmittelpreise eine der größten Bedrohungen für das Regime in Peking.
Nicht umsonst sprechen Regierungsvertreter in den USA davon, dass Amerika sich gegen andere, erfolgreiche Länder behaupten muss, die es als Gegner betrachtet. Man sieht in der guten Wirtschaft in anderen Teilen der Welt keinen Pluspunkt, keine Chance, keine Aufforderung zur Verbesserung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit. Stattdessen ist man neidisch und will, dass die erfolgreichen Nationen ihre Dynamik aufgeben und mit den USA "teilen". Eine fatale Haltung, die steigende Spannungen im Welthandel wohl weiter forcieren wird.
Somit scheint das eigentliche Ziel der US-Politik klar, nämlich die strukturelle Schwächung des Dollars. Inflatorische Rückkoppelungen werden zunächst hingenommen. Dabei wird aber eventuell übersehen, dass man einen Kampf um Ressourcen anzettelt und steigende Rohstoffkosten wie Steuererhöhungen in den USA wirken. Soweit denkt man anscheinend nicht.
Auch nicht daran, dass die Aufforderung an die internationale Spekulation eine Aufforderung zum Tanz auf dem Rohstoffmarkt ist. Steigende Preise dort treffen die Ärmsten der Armen hart und damit ist diese Art Spekulation zutiefst unmoralisch - verabscheuungswürdig. Aber wir befinden uns ja auf der "Strasse zur Abscheu" ...
Die Eurozone dagegen scheint da schon fast ein Hort der ehernen Prinzipien. Wir sparen und wollen "vernünftig" die Krisenfolgen bewältigen. Das wird uns einen festen Euro bescheren und damit den Inflationsdruck steigender Rohstoffpreise mildern. Da wir mit den Wachstumslokomotiven währungstechnisch in einem Boot sitzen und die Amerikaner trotz schwachem Dollar gar nicht wissen, was sie auf den Weltmärkten verkaufen sollen (jedenfalls keine GM-Autos), wird uns der starke Euro nur sehr verzögert treffen. Im Gegenteil, wir dürften sogar von einer Art inversem J-Kurven-Effekt profitieren. In der Peripherie dürften die deflatorischen Tendenzen sogar dominant bleiben. Der Preis der Eurozone dürfte sein, so man denn die Linie beibehalten will, dass es bei Griechenland, Irland und / oder Portugal wohl früher oder später zum Schwur kommen wird, ob man wirklich die Gläubiger beteiligen will - oder doch noch den amerikanischen Weg einschlagen wird. Man wird sehen.
Wo führt uns das Ganze hin? Die Abscheu vor der aktuellen Finanzkultur wächst. Doch die Versuchung (und vielleicht auch die Notwendigkeit), die angefachte Liquiditätshausse mitzuspielen, ist da. Ein fester Euro, eine noch stärkere Fokussierung auf Rohstoffe und eine weiter steigende Gefahr von Protektionismus und Handelsstreitigkeiten scheinen wahrscheinliche Ergebnisse von QE2 zu werden.
In this blog I like to let my mind wander. The result are some woolly thoughts about investor behavior and market developments. Inspired by technical analysis and behavioral finance, based on our unique sentix market sentiment.
Thursday, November 4, 2010
Monday, November 1, 2010
QE 2.0 nur eine Wiederholung?
Lesen Sie unseren Artikel im neuen sentix Marktradar auf handelsblatt.com
Monday, October 25, 2010
Value at risk
Steigende Kurse, sinkendes Risiko - so titelt das Handelsblatt heute auf Seite 34 seiner Ausgabe. Der "value at risk" sei gesunken, ein gutes Zeichen für die Anleger, so die Analyse. SAP habe mit einem Rückgang des Risikos um 14% die größten Fortschritte gemacht.
Was bedeutet das eigentlich? Der "value at risk" ist eine im Portfoliomanagement gebräuchliche Maßzahl, dass aus der Schwankungsbreite einer Anlageklasse resultierende Verlustrisiko zu beschreiben (siehe Wikipedia). Aber handelt es sich dabei wirklich um eine gute Risikobestimmung?
Mit steigenden Preisen nimmt im Regelfall die implizite Schwankungsbreite einer Anlageform ab. Da Hausse-Märkte in der Regel stetiger und langsamer ablaufen als Baisse-Märkte eine "normale" Entwicklung. Gleichzeitig suggeriert der parallel fallende "value at risk", dass die Anleger mit geringeren Verlusten in der Zukunft rechnen müssen. Dies ist eine trügerische Sicherheit. Denn dieser Mechanismus setzt prozyklische Handlungen von zum Beispiel institutionellen Anlegern frei, die nun mehr Assets bei gleicher Verlusttoleranz erwerben können. Und dies unabhängig von einer neuen verbesserten Kursperspektive. Zwar kann die Volatilität bei anhaltend steigenden Preisen durchaus längere Zeit niedrig bleiben oder noch niedriger werden, aber es erscheint sehr kurzsichtig zu glauben, Märkte wären sicherer, wenn der VaR fällt.
Ganz im Gegenteil ergeben sich für Anleger meist die besten Einstiegsgelegenheiten, wenn der VaR hoch ist. Nicht, weil der VaR ein Sentimentindikator wäre und zwingend Pessimismus ausstrahlen würde. Sondern weil der Preis für Absicherungen (Stichwort Optionsprämie) dann hoch und die Risikotragfähigkeit niedrig ist. Denn ein Aktienengagement zum Beispiel würde relativ viel Verlustbudget verlangen, wenn der VaR hoch ist.
Fallende VaR-Werte sind also einerseits Begleiterscheinungen einer Hausse-Bewegung, tragen andererseits aber durchaus eine zwiespältige Wirkung in sich. Spätestens wenn die fallenden VaR-Werte zu automatischen, nicht meinungsbasierten Aufstockungen von Risikoaktiva führen, ist Vorsicht angebracht. Langfristig besser fährt der Anleger, der Risiken antizyklisch allokieren kann. Denn die besten Gewinnaussichten bestehen noch immer dann, wenn die meisten Anleger glauben, die Risiken seien "unerträglich".
Was bedeutet das eigentlich? Der "value at risk" ist eine im Portfoliomanagement gebräuchliche Maßzahl, dass aus der Schwankungsbreite einer Anlageklasse resultierende Verlustrisiko zu beschreiben (siehe Wikipedia). Aber handelt es sich dabei wirklich um eine gute Risikobestimmung?
Mit steigenden Preisen nimmt im Regelfall die implizite Schwankungsbreite einer Anlageform ab. Da Hausse-Märkte in der Regel stetiger und langsamer ablaufen als Baisse-Märkte eine "normale" Entwicklung. Gleichzeitig suggeriert der parallel fallende "value at risk", dass die Anleger mit geringeren Verlusten in der Zukunft rechnen müssen. Dies ist eine trügerische Sicherheit. Denn dieser Mechanismus setzt prozyklische Handlungen von zum Beispiel institutionellen Anlegern frei, die nun mehr Assets bei gleicher Verlusttoleranz erwerben können. Und dies unabhängig von einer neuen verbesserten Kursperspektive. Zwar kann die Volatilität bei anhaltend steigenden Preisen durchaus längere Zeit niedrig bleiben oder noch niedriger werden, aber es erscheint sehr kurzsichtig zu glauben, Märkte wären sicherer, wenn der VaR fällt.
Ganz im Gegenteil ergeben sich für Anleger meist die besten Einstiegsgelegenheiten, wenn der VaR hoch ist. Nicht, weil der VaR ein Sentimentindikator wäre und zwingend Pessimismus ausstrahlen würde. Sondern weil der Preis für Absicherungen (Stichwort Optionsprämie) dann hoch und die Risikotragfähigkeit niedrig ist. Denn ein Aktienengagement zum Beispiel würde relativ viel Verlustbudget verlangen, wenn der VaR hoch ist.
Fallende VaR-Werte sind also einerseits Begleiterscheinungen einer Hausse-Bewegung, tragen andererseits aber durchaus eine zwiespältige Wirkung in sich. Spätestens wenn die fallenden VaR-Werte zu automatischen, nicht meinungsbasierten Aufstockungen von Risikoaktiva führen, ist Vorsicht angebracht. Langfristig besser fährt der Anleger, der Risiken antizyklisch allokieren kann. Denn die besten Gewinnaussichten bestehen noch immer dann, wenn die meisten Anleger glauben, die Risiken seien "unerträglich".
Tuesday, October 12, 2010
Hasenfüße
Die Aktienmärkte nerven - seit Wochen zieren sich DAX & Co. und widersetzen sich dem mittelfristigen Urteil der Anleger. Das Jahreshoch will nicht fallen.
Seit der letzten Investitionsgrad-Befragung bei sentix Ende September wissen wir, dass die Anleger entsprechend ihrer positiven mittelfristigen Einstellung Aktienquoten aufgebaut haben. Das ist eine Bürde für den Markt, denn es bedeutet, dass bei einem Break zur Oberseite vergleichsweise wenige Verlierer produziert würden. Klar, auch echte Gewinner gäbe es wenig, da zumindest im professionellen Lager die "neutrale Quote" dominiert.
Die Nervosität ist unter den Investoren förmlich greifbar, viele spüren, dass "etwas Großes ausgebrütet wird", wie wir vor 2 Wochen titelten. Also versucht der Markt Haken zu schlagen - und um nichts anderes handelt es sich bei den aktuellen Kursbewegungen - genauso wie ein Hase, um damit die "Hasenfüße" abzuschütteln. Dem mittelfristigen Optimismus konnten diese Wendungen des Marktes bislang nichts anhaben, für einen positiven Break wären mehr Anleger an der Seitenlinie aber hilfreich.
Seit der letzten Investitionsgrad-Befragung bei sentix Ende September wissen wir, dass die Anleger entsprechend ihrer positiven mittelfristigen Einstellung Aktienquoten aufgebaut haben. Das ist eine Bürde für den Markt, denn es bedeutet, dass bei einem Break zur Oberseite vergleichsweise wenige Verlierer produziert würden. Klar, auch echte Gewinner gäbe es wenig, da zumindest im professionellen Lager die "neutrale Quote" dominiert.
Die Nervosität ist unter den Investoren förmlich greifbar, viele spüren, dass "etwas Großes ausgebrütet wird", wie wir vor 2 Wochen titelten. Also versucht der Markt Haken zu schlagen - und um nichts anderes handelt es sich bei den aktuellen Kursbewegungen - genauso wie ein Hase, um damit die "Hasenfüße" abzuschütteln. Dem mittelfristigen Optimismus konnten diese Wendungen des Marktes bislang nichts anhaben, für einen positiven Break wären mehr Anleger an der Seitenlinie aber hilfreich.
Thursday, October 7, 2010
Investing in Mexico for 100 years
Mexico sold a new bond with a maturity in 100 years to international investors. And the demand for such a bond was good, indicated by the sharp rise in price in the secondary market.
I bet that only few individual investors would be interested in such a bond as to most of us it seems a risk not calculable.
Not so for institutional investors like insurance companies and pensions funds. They need investments with a "good" yield and a duration similar to their liabilities. They don't care about inflation and long term risks as they only have to seek a solution for their "asset-liability-mismtach", meaning that they need assets to fulfill their obligations mature in 10 or 20 years time.
This may or may not be in the interest of the customer, but it is definitely in the interest of their companies. But we should not be so negative on these "trustees". Investing of a small amount in a longer bond is from a pure bond mathematical standpoint a safer bet than to invest a bigger stake of funds in a bond, maturing in 10 or 15 years. The reason for that lies in the convexity of long term bonds and the advantage of a barbell position over a bullet position.
I bet that only few individual investors would be interested in such a bond as to most of us it seems a risk not calculable.
Not so for institutional investors like insurance companies and pensions funds. They need investments with a "good" yield and a duration similar to their liabilities. They don't care about inflation and long term risks as they only have to seek a solution for their "asset-liability-mismtach", meaning that they need assets to fulfill their obligations mature in 10 or 20 years time.
This may or may not be in the interest of the customer, but it is definitely in the interest of their companies. But we should not be so negative on these "trustees". Investing of a small amount in a longer bond is from a pure bond mathematical standpoint a safer bet than to invest a bigger stake of funds in a bond, maturing in 10 or 15 years. The reason for that lies in the convexity of long term bonds and the advantage of a barbell position over a bullet position.
Wednesday, September 29, 2010
Hartz IV
Viel wird in diesen Tagen über die Anpassung der Hartz IV-Sätze diskutiert. Sind €5 zu viel oder zu wenig? Das soll hier nicht die Frage sein. Ein anderer Aspekt der Neuregelung könnte viel entscheidender sein ...
Die Auflage des Bundesverfassungsgericht sieht vor, dass die Festsetzung der Hartz IV-Sätze nicht willkürlich erfolgen darf, sondern sich am Bedarf der untersten Einkommensgruppen orientieren muss. Die derzeitigen Sätze sind demnach nicht statisch, sondern bedürfen der laufenden Überprüfung und Anpassung.
Dabei wurde eine simple Methode der Anpassung erwogen: die Koppelung an die Inflationsrate und die Lohnentwicklung der unteren Einkommensgruppen. Übergangsweise soll dies in den nächsten zwei Jahren so praktiziert. Achten wir darauf, dass dies keine Dauerregelung werden wird!
Warum wäre dies gefährlich?
Ca. 6,6 Mio. Menschen beziehen Hartz IV-Leistungen (gem. Statistischem Bundesamt, Ende 2008), also fast 10% aller Menschen in Deutschland. Sie sind auf eine Grundsicherung angewiesen. Natürlich stellen steigende Lebenshaltungskosten für diese Menschen ein Problem dar, andererseits müssen diese Leistungen aus dem Steueraufkommen - und damit der Wirtschaftsleistung - erbracht werden.
Wenn nun diese Leistungen "automatisch" an die Lebenshaltung gekoppelt würden, träte ein doppelt fataler Effekt ein:
Viele Teile der Erwerbsbevölkerung haben in den letzten Jahren die Bekanntschaft mit einer äußerst unangenehmen Entwicklung gemacht - real stagnierenden oder sogar fallenden Löhnen. Ein wesentlicher Anteil an dem Auseinanderdriften unserer Gesellschaft drückt sich hierin aus. Die eine Hälfte der Bevölkerung ist gut ausgebildet und kann seine "Produktivität" in höhere Löhne umsetzen, die andere ist "Globalisierungsopfer" und bekommt eine Reallohnkürzung nach der anderen präsentiert. Dies ist für sich genommen schon eine Problemlage mit enormer gesellschaftlicher Sprengkraft (siehe sentix Jahresausblick 2010). Jetzt am unteren Ende auch noch einen Automatismus zur Anpassung nach oben einzubauen, würde diese Sprengkräfte enorm verstärken.
Sich also um +/- 5 Euro zu streiten erscheint geradezu lächerlich, angesichts ganz anderer Bedrohungen unserer Wirtschaftsordnung.
Die Auflage des Bundesverfassungsgericht sieht vor, dass die Festsetzung der Hartz IV-Sätze nicht willkürlich erfolgen darf, sondern sich am Bedarf der untersten Einkommensgruppen orientieren muss. Die derzeitigen Sätze sind demnach nicht statisch, sondern bedürfen der laufenden Überprüfung und Anpassung.
Dabei wurde eine simple Methode der Anpassung erwogen: die Koppelung an die Inflationsrate und die Lohnentwicklung der unteren Einkommensgruppen. Übergangsweise soll dies in den nächsten zwei Jahren so praktiziert. Achten wir darauf, dass dies keine Dauerregelung werden wird!
Warum wäre dies gefährlich?
Ca. 6,6 Mio. Menschen beziehen Hartz IV-Leistungen (gem. Statistischem Bundesamt, Ende 2008), also fast 10% aller Menschen in Deutschland. Sie sind auf eine Grundsicherung angewiesen. Natürlich stellen steigende Lebenshaltungskosten für diese Menschen ein Problem dar, andererseits müssen diese Leistungen aus dem Steueraufkommen - und damit der Wirtschaftsleistung - erbracht werden.
Wenn nun diese Leistungen "automatisch" an die Lebenshaltung gekoppelt würden, träte ein doppelt fataler Effekt ein:
- 10% der Bevölkerung kämen in den Genuß automatischer Lohnerhöhungen. Etwas, was den meisten "aktiven" Arbeitnehmern verwehrt bleibt - aus guten Gründen. Die Gefahren einer Lohn-Preis-Spirale ähnlich der 70er Jahre wäre damit wieder gegeben
- Der Anreiz zur Aufnahme von Arbeit würde in geradezu grotesker Weise untergraben
Viele Teile der Erwerbsbevölkerung haben in den letzten Jahren die Bekanntschaft mit einer äußerst unangenehmen Entwicklung gemacht - real stagnierenden oder sogar fallenden Löhnen. Ein wesentlicher Anteil an dem Auseinanderdriften unserer Gesellschaft drückt sich hierin aus. Die eine Hälfte der Bevölkerung ist gut ausgebildet und kann seine "Produktivität" in höhere Löhne umsetzen, die andere ist "Globalisierungsopfer" und bekommt eine Reallohnkürzung nach der anderen präsentiert. Dies ist für sich genommen schon eine Problemlage mit enormer gesellschaftlicher Sprengkraft (siehe sentix Jahresausblick 2010). Jetzt am unteren Ende auch noch einen Automatismus zur Anpassung nach oben einzubauen, würde diese Sprengkräfte enorm verstärken.
Sich also um +/- 5 Euro zu streiten erscheint geradezu lächerlich, angesichts ganz anderer Bedrohungen unserer Wirtschaftsordnung.
Monday, September 20, 2010
Historical data
We want to highlight - again and again - a very unique situation in our current data set. We spot a new all time high in the medium-term sentiment. That means that investors are recognizing a positive valuation for equities.
Is this a negative? We don't think so because investment positions are relatively low (approx 1 standard deviation below average). We expect the market to break on the upside.
That would leave investors in an uncomfortable position as they have "seen" the chance but missed the entry. We have to see how quick investor may act if the break occurs. The chances are that they act slowly as markets already have performed for some weeks now and investors may wait for a correction.
For a complete analysis and all charts take a look at http://www.sentix.de/
Is this a negative? We don't think so because investment positions are relatively low (approx 1 standard deviation below average). We expect the market to break on the upside.
That would leave investors in an uncomfortable position as they have "seen" the chance but missed the entry. We have to see how quick investor may act if the break occurs. The chances are that they act slowly as markets already have performed for some weeks now and investors may wait for a correction.
For a complete analysis and all charts take a look at http://www.sentix.de/
Thursday, September 9, 2010
Stille Wasser
Hartmut Mehdorn trinkt stilles Wasser. Das scheint derzeit das Bemerkenswerteste zu sein, was es über den Ex-Bahnchef zu berichten gibt. Der einstmalige Herr über tausende von Bahnangestellten hat mit zwei weiteren Ex-Vorständen, der eine von der Bahn und der andere von der Ex-Dresdner, eine Alt-Herren-Beratungscommunity gegründet, berichtet das Handelsblatt heute.
Mehdorn ist in Plauderlaune. So weiß er zu berichten, dass "er nicht einmal mehr eine Bahncard besitzt", obwohl er ein paar Sätze später von Spontan-Umarmungen durch seine Ex-Mitarbeiter auf "seinen Fahrten mit der Bahn" zu berichten weiß. Fährt Hartmut M. etwa mit einer dieser privaten Bahntrassen-Verschmutzern? Oder stimmt etwas nicht mit der Attraktivität des Bahncard-Angebots der Deutschen Bahn?
Überhaupt, warum fliegt Mehdorn lieber mit dem Flugzeug, wo er und seine Bahn doch Milliarden in den Ausbau des Hochgeschwindigkeit-Netzes investiert haben (und weiter investieren wollen - Stuttgart 21 lässt grüßen!)? Der Ex-Manager höhlt seine Glaubwürdigkeit damit "post-amt" ganz schön aus, was aber andere Firmen wohl nicht davon abhalten dürfte, seine Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen. Schließlich hat Herr M. ja jetzt Zeit.
Endlich, so der Profi-Berater, habe er auch einmal Zeit für seine Aufsichtsratsmandate. Die hat er zwar schon länger inne, aber offensichtlich fehlte ihm der Freiraum, seine Kontrollpflichten auch mit der nötigen Hingabe auszufüllen. Ein interessanter Einblick in die Corporate Governance. Mit Air Berlin und SAP sind da immerhin zwei börsennotierte Firmen dabei.
Betrachten wir die offenen Worte Mehdorns als repräsentativ? Wenn ja, würde es vielleicht Sinn machen, mehr Manager in den Ruhestand zu schicken, damit diese endlich das tun, wofür sie schon lange bezahlt werden.
Mehdorn ist in Plauderlaune. So weiß er zu berichten, dass "er nicht einmal mehr eine Bahncard besitzt", obwohl er ein paar Sätze später von Spontan-Umarmungen durch seine Ex-Mitarbeiter auf "seinen Fahrten mit der Bahn" zu berichten weiß. Fährt Hartmut M. etwa mit einer dieser privaten Bahntrassen-Verschmutzern? Oder stimmt etwas nicht mit der Attraktivität des Bahncard-Angebots der Deutschen Bahn?
Überhaupt, warum fliegt Mehdorn lieber mit dem Flugzeug, wo er und seine Bahn doch Milliarden in den Ausbau des Hochgeschwindigkeit-Netzes investiert haben (und weiter investieren wollen - Stuttgart 21 lässt grüßen!)? Der Ex-Manager höhlt seine Glaubwürdigkeit damit "post-amt" ganz schön aus, was aber andere Firmen wohl nicht davon abhalten dürfte, seine Beratungsdienste in Anspruch zu nehmen. Schließlich hat Herr M. ja jetzt Zeit.
Endlich, so der Profi-Berater, habe er auch einmal Zeit für seine Aufsichtsratsmandate. Die hat er zwar schon länger inne, aber offensichtlich fehlte ihm der Freiraum, seine Kontrollpflichten auch mit der nötigen Hingabe auszufüllen. Ein interessanter Einblick in die Corporate Governance. Mit Air Berlin und SAP sind da immerhin zwei börsennotierte Firmen dabei.
Betrachten wir die offenen Worte Mehdorns als repräsentativ? Wenn ja, würde es vielleicht Sinn machen, mehr Manager in den Ruhestand zu schicken, damit diese endlich das tun, wofür sie schon lange bezahlt werden.
Wednesday, September 8, 2010
Inflation und Bratwurst
Was haben Inflation und Bratwurst gemeinsam? Nun, beide Themen scheinen derzeit aus Sicht der Stiftung Warentest besonders wichtig zu sein.
Während die Inflation unser Geld bedroht, stellt eine qualitativ schlechte Bratwurst den Ruf als "Bruzzlermeister" in der Nachbarschaft in Frage. Beide hätte gravierend negative Folgen.
Wenn es derzeit ein Thema gibt, welches die Gemüter der Anlegerschaft beschäftigt, dann sicher das einer kommenden Inflation und gar eines Staatsbankrotts. Selten (vielleicht mit Ausnahme der HighTech Blase 2000) waren sich die Experten bei einem Thema so einig. Der Untergang des Abendlandes steht bevor. Und deshalb ist es wichtig, vorbereitet zu sein. Die Experten haben denn auch gleich viele Ratgeber publiziert. Geht man heute durch einen gut sortierten Buchlanden, wird man förmlich erschlagen von Crashkursen und sicheren Bankrotten.
Das Auffällige daran ist nicht, dass das Thema bewegt, sondern dass Inflation und Staatsbankrott quasi schon ausgemachte Sache sind. Es geht nicht mehr ums ob, bestenfalls um das Wann, obwohl auch da mancher Experte schon genaue Daten kennt.
Mich erinnert dieser Hype um den kommenden Gau in seiner Verehrung und Eingängigkeit der Story ein wenig an den High Tech Hype in 2000. Auch damals waren die Buchläden voll von Ratgebern, welche den sicheren Reichtum dank Internet propagierten. Wie wir wissen, kam es anders.
Es macht durchaus Sinn, sich auch mit Gefahren von Inflation und Staatsbankrott zu beschäftigen. Seit der Finanzkrise gibt es keine Tabus und Denkverbote mehr. Aber Geschichte entwickelt sich selten so geradlinig und "zwingend", wie es von den Auguren mancher "Werke" dargelegt wird. Wenn es alleine nur länger bis zum Untergang dauert, wenn die Zinsen erst noch weiter fallen, bevor sie nach oben schießen oder wenn das viele "gedruckte" Geld statt Güterinflation eine Assetinflation erzeugt, ja dann hat so mancher Anleger, der vor lauter Sorgen sein Geld unter das Kopfkissen gelegt hat, eventuell eine schlechte Entscheidung gefällt.
Deshalb sollte die Suche im Bücherregal immer auch die alternativen Sichtweisen berücksichtigen. Die Geschichten von Cityboy und Börsenbabe scheinen mir dabei aber weniger geeignet.
Der aufmerksame Gang durch die Zeitschriften- und Bücherabteilungen kann deshalb manchmal auch spannende Börseneinsichten vermitteln.
Bei meinem letzten Trip nach London bin ich allerdings doch auf ein merkwürdiges Zeichen gestoßen. Ist doch was dran an all den Verschwörungs- und Untergangsszenarien? Jedenfalls scheinen in London die Banken schon in den Untergrund abzutauchen ...
Eine entspannte Börsenwoche wünsche ich Ihnen!
Während die Inflation unser Geld bedroht, stellt eine qualitativ schlechte Bratwurst den Ruf als "Bruzzlermeister" in der Nachbarschaft in Frage. Beide hätte gravierend negative Folgen.
Wenn es derzeit ein Thema gibt, welches die Gemüter der Anlegerschaft beschäftigt, dann sicher das einer kommenden Inflation und gar eines Staatsbankrotts. Selten (vielleicht mit Ausnahme der HighTech Blase 2000) waren sich die Experten bei einem Thema so einig. Der Untergang des Abendlandes steht bevor. Und deshalb ist es wichtig, vorbereitet zu sein. Die Experten haben denn auch gleich viele Ratgeber publiziert. Geht man heute durch einen gut sortierten Buchlanden, wird man förmlich erschlagen von Crashkursen und sicheren Bankrotten.
Das Auffällige daran ist nicht, dass das Thema bewegt, sondern dass Inflation und Staatsbankrott quasi schon ausgemachte Sache sind. Es geht nicht mehr ums ob, bestenfalls um das Wann, obwohl auch da mancher Experte schon genaue Daten kennt.
Mich erinnert dieser Hype um den kommenden Gau in seiner Verehrung und Eingängigkeit der Story ein wenig an den High Tech Hype in 2000. Auch damals waren die Buchläden voll von Ratgebern, welche den sicheren Reichtum dank Internet propagierten. Wie wir wissen, kam es anders.
Es macht durchaus Sinn, sich auch mit Gefahren von Inflation und Staatsbankrott zu beschäftigen. Seit der Finanzkrise gibt es keine Tabus und Denkverbote mehr. Aber Geschichte entwickelt sich selten so geradlinig und "zwingend", wie es von den Auguren mancher "Werke" dargelegt wird. Wenn es alleine nur länger bis zum Untergang dauert, wenn die Zinsen erst noch weiter fallen, bevor sie nach oben schießen oder wenn das viele "gedruckte" Geld statt Güterinflation eine Assetinflation erzeugt, ja dann hat so mancher Anleger, der vor lauter Sorgen sein Geld unter das Kopfkissen gelegt hat, eventuell eine schlechte Entscheidung gefällt.
Deshalb sollte die Suche im Bücherregal immer auch die alternativen Sichtweisen berücksichtigen. Die Geschichten von Cityboy und Börsenbabe scheinen mir dabei aber weniger geeignet.
Der aufmerksame Gang durch die Zeitschriften- und Bücherabteilungen kann deshalb manchmal auch spannende Börseneinsichten vermitteln.
Bei meinem letzten Trip nach London bin ich allerdings doch auf ein merkwürdiges Zeichen gestoßen. Ist doch was dran an all den Verschwörungs- und Untergangsszenarien? Jedenfalls scheinen in London die Banken schon in den Untergrund abzutauchen ...
Eine entspannte Börsenwoche wünsche ich Ihnen!
Monday, September 6, 2010
Update sentix-Konjunkturindex
Details unter http://konjunktur.sentix.de/
Bericht der Börsenredaktion der ARD: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_463070
Bericht der Börsenredaktion der ARD: http://boerse.ard.de/content.jsp?key=dokument_463070
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